Podiumsdiskussion: Der Frieden von Brest-Litowsk und die Nationalstaatsgründungen in Osteuropa nach dem Ersten Weltkrieg

Teilnehmer: Professor Dr. Helmut Altrichter, Erlangen-Nürnberg, Dr. des. Lilia Antipow, Haus des Deutschen Ostens, München

Dienstag, 28. Mai 2019, 19.00 Uhr

Haus des Deutschen Ostens (HDO)
Am Lilienberg 5, 81669 München

Die Vertreter Sowjetrusslands sowie Deutschlands (und seiner Verbündeten), die sich seit Anfang Dezember 1918 am Verhandlungstisch in Brest-Litowsk gegenüber saßen, hätten kaum unterschiedlicher sein können: Aristokraten und Generäle auf der einen, bekennende Revolutionäre und ehemalige Terroristen auf der anderen Seite. Ein Kernproblem war von Anfang an das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Selbst wenn sich beide Seiten dazu bekannten, verfolgten sie damit doch ganz unterschiedliche Ziele. Die Bolschewiki hatten das Selbstbestimmungsrecht nach der Oktoberrevolution propagiert, um damit für die eigene Sache zu werben (ohne die Absicht, sich bedingungslos daran zu halten); die Vertreter aus Berlin strebten die Bildung eines Gürtels „deutschfreundlicher“ Staaten in Osteuropa an, der den deutschen Einfluss in der Region (und darüber hinaus) sicherte. Selbst wenn sich beider Hoffnungen nicht erfüllten: mit dem ausgehandelten Friedensvertrag verzichteten die Bolschewiki auf die ehedem zum Russischen Reich gehörenden finnischen, baltischen, polnischen und ukrainischen Gebiete – ein erster Schritt zur staatlichen Neuordnung Ostmittel- und Südosteuropas 1918–1919.


Professor Dr. Helmut Altrichter (geb. 1945 in Alt-Moletein, Mähren/heute Tschechien) war 1985–1990 Professor für Neuere und Osteuropäische Geschichte an der Universität Augsburg und 1990–2012 Inhaber des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Als Vorsitzender leitete er den wissenschaftlichen Beirat des Instituts für Zeitgeschichte (München-Berlin), des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (Leipzig), des Herderinstituts (Marburg) sowie des Deutschen Historischen Instituts (Moskau). Von Helmut Altrichter liegen u.a. vor: Die Bauern von Tver. Vom Leben auf dem russischen Dorfe zwischen Revolution und Kollektivierung (1984); Kleine Geschichte der Sowjetunion 1917–1991 (1993/2013); Rußland 1917. Ein Land auf der Suche nach sich selbst (1997/2017); Geschichte Europas im 20. Jahrhundert (zusammen mit Walther L. Bernecker, 2004); Rußland 1989. Der Untergang des sowjetischen Imperiums (2009); Stalin. Der Herr des Terrors. Eine Biografie (2018).

Dr. des. Lilia Antipow (geb. 1970 in Nowokusnezk/Russland) leitet seit September 2018 das Sachgebiet Medien-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Bibliothek im Haus des Deutschen Ostens, München.

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